Weltklasse im Verstecken – Zeit, dass wir uns zeigen.
Du bist gut. Nur keiner weiß es. Aschermittwoch. Klartext.
Aschermittwoch. Ein Land im Schatten seiner eigenen Stärke.
Ich saß vor ein paar Jahren in einem Raum mit internationalen Investoren. Amerikaner, Asiaten, Briten. Auf dem Panel sprach ein Gründer aus Kalifornien. Großes Selbstbewusstsein. Große Worte. Große Vision.
Neben mir saß ein deutscher Unternehmer. Familiengeführt. 800 Mitarbeiter. Technologieführer in seiner Nische. Weltweit unterwegs. Solide Gewinne. Substanz ohne Ende.
Nach dem Panel fragte ihn jemand aus dem Publikum, was er eigentlich mache.
Er sagte: „Wir sind ganz ordentlich unterwegs.“ Ganz ordentlich.
Ich habe ihn angeschaut und gedacht: Du baust seit dreißig Jahren Zukunft. Du trägst Verantwortung für hunderte Familien. Du exportierst in die halbe Welt. Und du nennst das ordentlich?
In diesem Moment habe ich verstanden, wo unser Problem liegt. Wir können alles. Nur erzählen können wir es nicht.
Während Konzerne wie Google oder Microsoft gezielt Menschen aufbauen, die Bühnen dominieren, Narrative setzen und Märkte emotional führen, diskutieren wir immer noch darüber, ob Sichtbarkeit anständig ist.
Dort ist Bühne Teil der Wertschöpfung. Bei uns ist Bühne Verdacht.
Bühne ist kein Zufall. Sie ist Architektur.
Wir verwechseln Bescheidenheit mit Charakter. Dabei ist sie oft nur Bequemlichkeit. Es ist einfacher, im Hintergrund zu bleiben. Es ist angenehmer, keinen Gegenwind zu bekommen. Es ist sicherer, nicht aufzufallen. Doch wer keine Angriffsfläche hat, hat auch keine Wirkung.
Ich nehme mich da nicht aus. Auch ich habe lange geglaubt, gute Arbeit reicht. Dass Netzwerke im Stillen wachsen. Dass Qualität sich durchsetzt. Bis ich gemerkt habe, dass Tische ohne dich gedeckt werden. Regeln ohne dich geschrieben werden. Entscheidungen ohne dich getroffen werden. Und dann stehst du draußen und wunderst dich.
Sichtbarkeit ist kein Ego. Sichtbarkeit ist Einfluss.
Wir reden über Fachkräftemangel. Vielleicht fehlt uns keine Kompetenz. Vielleicht fehlt uns Strahlkraft. Talente folgen Energie. Kapital folgt Klarheit. Medien folgen Geschichten.
Wer keine Geschichte erzählt, findet nicht statt.
Arnold Schwarzenegger ist nicht stark geworden, weil er im Fitnessstudio geflüstert hat. Er ist stark geworden, weil er jeden Muskel gezeigt hat. Weil er Präsenz hatte. Weil er größer gedacht hat als der Raum, in dem er stand. Größe entsteht nicht zufällig. Sie wird entschieden.
Und jetzt kommt der Satz, der vielleicht weh tut. Unser Understatement ist manchmal nichts anderes als Angst vor Größe.
Wir wollen erfolgreich sein, aber niemanden provozieren. Wir wollen wachsen, aber bitte unauffällig. Wir wollen gestalten, aber keine Kritik riskieren. So gewinnt man keine Märkte.
Wir sind Weltklasse im Bauen. Wir sind Weltklasse im Optimieren. Wir sind Weltklasse im Durchhalten. Jetzt werden wir Weltklasse im Auftreten.
Wer etwas kann, darf es sagen. Wer Verantwortung trägt, gehört ins Licht. Wer gestalten will, muss sichtbar sein. Ich habe keine Lust mehr auf klein geredete Größe.
Wenn du Kraft hast, zeig sie. Wenn du Vision hast, sprich sie aus. Wenn du führen willst, tritt nach vorne.
Bescheidenheit ehrt den Menschen. Sichtbarkeit stärkt den Einfluss. Und Einfluss entscheidet, wer am Tisch sitzt.
Sichtbarkeit entsteht nicht zufällig. Sie wird gebaut.<p>
Werner Theiner - Architekt von Begegnung und Sichtbarkeit